Abgesang der Streetwear? – Junge Herren kaufen wieder Maßanzüge

Maximilian Mogg
Maximilian Mogg ist sich sicher: “Die jungen Kunden bringen das Glück!”

“Wir stellen ein reges Wachstum bei unserer jungen Kundschaft fest.”, berichtet Maximilian Mogg, 26-jähriger Eigentümer einer Herrenmaßboutique in der Berliner Bleibtreustraße – nur einen Steinwurf vom Kurfürstendamm entfernt. “Warum die Leute just zu uns kommen, wissen wir nicht und die Gründe können wir deshalb nur vermuten.” Er spricht von einer Generation an jungen Herren mit bemerkenswertem Wissen rund um die klassische Herrenmode, die sich dazu entschließen, sich dem allgegenwärtigen, zwanghaftem Down-Dressing nicht zu beugen. 

Das Argument der Nachhaltigkeit fällt häufig: die Anzüge, die bei Herrn Mogg mit dem Anspruch, mindestens 15 bis 20 Jahre zu halten, auf die Maße des Kundens gefertigt werden, sind ein Investment in die Garderobe und kein Austausch- bzw. Wegwerfartikel. Sie erzählen eine Geschichte über den jeweiligen Lebensstil des Kundens und seinen Anspruch an die Garderobe. Unter anderem deshalb bietet Mogg seinen Kunden auch den lebenslangen Änderungsservice an. “Ein Anzug von uns hat genügend Maßzugaben, um auch bei genussorientiertem Lebensstil noch Jahre danach angepasst zu werden.”

Ebenfalls spielt das Streben nach Individualität eine tragende Rolle. “Man bewegt sich in einer seit 200 Jahren definierten Sprache der Kleidung. Das gibt Herren Sicherheit in der Stilwahl und trotzdem den Werkzeugkasten, um Ihre Individualität durch die Wahl des Stoffes, dem Schnitt und den stilistischen Details zum Ausdruck zu bringen.” 

Das Berliner Unternehmen Maximilian Mogg besucht regelmäßig Frankfurt und als einziges deutsches Schneiderhaus auch die Londoner Savile Row und überall berichtet der Eigentümer vom gleichen Bild: “Unglaublich viele junge Herren mit dem (Kleidungs-)Wunsch nach Zeitlosigkeit, Manierlichkeit und maskulinen Silhouetten.”

Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass seine junge Kundschaft sich unter anderem gut mit dem bei ihm monatlich erscheinenden, fiktiven Fortsetzungsromans über den verarmten Londoner Mr Lush mit seinen sprechenden Tieren (Ozelots, Zibraffen, Kolibris und so weiter) – geschrieben von Herrn Maximilian Mogg, übersetzt ins Englische durch seinen Kollegen Herrn Daniel Paul Finbar Carey und illustriert durch einen lokal-ansässigen, amerikanischen Comic-Zeichner Mr Everett Samuel Glenn – identifizieren kann. “Es ist ein jugendlicher “Vibe” in den Geschichten, den andere Schneiderhäuser so nicht kommunizieren können.”

Auch vermutet er, dass junge Herren sich nach Führung in diesem Bereich sehnen. “Wir haben einen klaren Hausstil mit mehreren Ankerpunkten für die Kundschaft definiert. Kunden wollen kein Multiple-Choice, wenn Sie einen Anzug kaufen; sie wollen einen Gegenüber, der klare und begründete Argumente für die stilistische Wahl liefert und dadurch – ähnlich wie bei Sokrates – die Kunden wie eine Hebamme zur für Sie richtigen Antwort lenkt.”

Auf die Frage hin, ob der Schneider das für eine kurzfristige Modeerscheinung hält, reagiert dieser mit selbstbewussten Kopfschütteln: “Wer einmal anfängt, kann nicht mehr aufhören! Maß- und Einzelanfertigungen werden sich bei der immer mehr interessierten Klientel durchsetzen. Es ist ein altes Sprichwort: Qualität setzt sich immer durch!”

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